Säule aus Merten - Gigantenreiter

  • Säule aus Merten - Gigantenreiter
Die im Jahre 1878 in Merten entdeckte Säule ist ein Vorzeigeobjekt des Museums von Metz. Es handelt sich zwar nicht um ein Einzelstück, da sie Teil eines reichhaltigen und vielseitigen Corpus ist, aber ihr monumentales Erscheinungsbild erhebt sie in den Rang einer meisterlichen Skulptur Ost-Galliens. Sie vereint in sich Elemente der griechischen Mythologie, des römischen Pantheon und der keltischen Tradition.

Durch Superposition von fünf Teilen befindet sich der Kopf des Reiters in einer Höhe von 12 Metern. Die Basis der Säule besteht aus einem Steinquader auf dem vier Götter dargestellt sind: Herkules, Apollo, Juno und Minerva. Darauf folgt ein Tambour mit Nischen, auf dem die Gottheiten der Woche dargestellt sind. An dieser Stelle ermögliche ein wesentlicher Hinweis die Identifizierung des Reiters. Hier steht der Buchstabe M, der, auf anderen Exemplaren, mit einem I und einem O, die Initialen IOM bilden: Iovi Optimus Maximus („Für Jupiter, den Besten und Größten“). Als letztes, die Figur tragend, ist dann eine Kapitell-Tonne aufgesetzt, die mit Jahreszeiten-Allegorien verziert ist.

Die Figur stellt Jupiter dar, der einen Giganten niederschmettert. Der Gigant ist ein Monster, halb Mensch halb Schlange, das in der griechischen Mythologie zu den Riesen gehört. Die Gigantenschlacht erzählt die Episode während der Porphyrion von Zeus-Jupiter vernichtet wird. Durch Angleichung der Mythologien wird der Riese mit den Barbaren gleichgesetzt, die der römische Imperator, in der Verkörperung des Reiters, unterwerfen muss. Die Entdeckung der Säule in der Nähe des Limes legt eine solche Deutung nahe.

Man sollte jedoch die Ähnlichkeit zwischen Jupiter und Taranis nicht außer Acht lassen. Wie Jupiter, so beherrscht auch Taranis den Blitz und die Naturgewalten. Auch wird bei anderen Skulptur-Gruppen (Obernburgam-Main, Bayern) Jupiter nicht mit Blitz oder Lanze dargestellt, sondern mit einem Rad, dem Attribut des keltischen Gottes.

Man muss auch in Betracht ziehen, dass mehrerer Säulen in ländlichen Gebieten gefunden wurden, im Zusammenhang mit privaten Häusern, Weilern oder Bauernhöfen. Diese geographische Besonderheit scheint von besonderer Wichtigkeit zu sein, da es eine andere Interpretation des Reiters ermöglicht. Er hat immer noch eine Schutzfunktion, aber ist viel mehr auf die täglichen Arbeiten ausgerichtet. So muss dieser Gewitter auslösende Jupiter-Taranis im volkstümlichen Gallo-römischen Glauben eine große Bedeutung für die Fruchtbarkeit der Böden gehabt haben.
Die Ikonographie der Jupiter-Säulen lässt mehrere Deutungen zu. Aber bei einer starken Konzentration von Jupitergigantenreitern im mittleren Rheintal nicht weit vom Limes entfernt, ist es wahrscheinlich, dass die Deutung eines martialischen Jupiters, der die Barbaren bekämpft, diejenige ist, die sich bei den Legionären durchgesetzt hat.
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